Deutschlands Existenzgründer denken regional

Deutschlands Existenzgründer denken und agieren überwiegend regional. Sie generieren auch den Großteil ihrer Umsätze mit Kunden aus ihrer Region oder näheren Umgebung. Dies ist eine der zentralen Feststellungen in der deutschen Ausgabe des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2020. Existenzgründer in Deutschland entscheiden sich für oder gegen den Einstieg in die Selbständgkeit in erster Linie auf Basis regionaler oder lokaler Standortfaktoren. Der Marktfokus „Regional statt global“ wird sich infolge der Coronakrise tendenziell noch verstärken.

Deutschlands Existenzgründer denken überwiegend regional

Die meisten Existenzgründer Deutschlands generieren einen Großteil ihrer Umsätze mit Kunden in ihrer Region. Rund die Hälfte der Existenzgründer und jungen Unternehmen Deutschlands exportieren weder Waren noch Dienstleistungen ins europäische oder außereuropäische Ausland. Und dieser Fokus auf inländische regionale Märkte wird sich infolge der Coronakrise tendenziell noch verstärken. Das zeigt die deutsche Ausgabe des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2019/20, die das RKW Kompetenzzentrum in Kooperation mit dem Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover erstellt hat. An der aktuellen Studie haben sich weltweit 50 Länder beteiligt.

Existenzgründung in Deutschland

Die Macher des aktuellen GEM-Berichts 2019/2020 haben unter anderem analysiert, wo die (potenzielle) Kundschaft der jungen und angehenden Unternehmer ansässig ist und wie sich die Nachfrage (voraussichtlich) auf regionale, nationale und internationale Märke verteilt.

Diesbezüglich haben sie festgestellt, dass eine Existenzgründung in Deutschland primär ein regionales Ereignis darstellt. Die Entscheidung für oder gegen den Einstieg in die Selbständigkeit ist in erster Linie von lokalen oder regionalen Standortfaktoren abhängig. Die Entscheidung zur Unternehmensgründung basiert häufig auf Grundlage der prognostizierten Marktchancen innerhalb der bekannten Region. Hier werden auch die ersten Kunden akquiriert. Das Geschäftsmodell muss zu allererst auf dem heimischen Markt funktionieren.

Infolge der weltweiten Corona-Pandemie ist die Bedeutung regionaler Märkte in den meisten Branchen noch weiter gestiegen. Die Krise hat vielen Unternehmen in Industrie und Handel zudem gezeigt, wie fragil globale Lieferketten sein können. Bei der Entwicklung neuer Geschäftsideen wird der Fokus auf regionale Märkte eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

Regionale Kunden im Vordergrund

Mehr als 90% der befragten Existenzgründer und jungen Unternehmen (maximal 3,5 Jahre alt) hatten ihre Kunden vorwiegend am Sitz des Unternehmens oder erwarteten diese nach Unternehmensgründung dort zu haben. Dagegen hatten nur knapp 70% der Befragten ihre Kunden „Andernorts in Deutschland“ und rund 50% „im Ausland“.

Diese Zahlen zeigen, dass die Mehrheit der Existenzgründer vornehmlich lokale Beziehungen zu ihren Kunden haben und suchen. Zum anderen zeigen sie aber auch die Abhängigkeit von den Standortfaktoren in der Region. Der einfache Zugang zum regionalen Markt ist prägend für die Attraktivität von Gründungsstandorten.

Dieser Fokus auf regionale Märkte wird auch durch die Umsatzzahlen bestätigt. Etwas über die Hälfte der Existenzgründer und jungen Unternehmen generieren ihren Umsatz überwiegend in Deutschland. Sie exportieren weder Waren noch Dienstleistungen ins Ausland. Nur knapp 5% erwirtschaften einen Großteil ihres Umsatzes (mehr als 75%) im Ausland oder haben diesbezüglich solche Erwartungen.

In der Coronakrise: Trend zu Regionalisierung der Wirtschaft

Hat die Globalisierung schon vor der Coronakrise ihren Höhepunkt erreicht? Nähert sich die Globalisierung ihrem Ende? Große und mittelständische Unternehmen haben in den letzten Monaten jedenfalls erkannt, dass internationale Lieferketten mit hochgradig spezialisierter Arbeitsteilung und Just-in-time-Produktion enorme Risiken mit sich bringen.

Eine Wirtschaftsnation wie Deutschland war während der Coronakrise nicht in der Lage, genügend Schutzausrüstung für medizinisches Personal bereit zu stellen, geschweige denn einfachste Schutzmasken für die Bevölkerung. Mit Lügen über die Wirksamkeit solcher Schutzmasken kaschierte man die beängstigende Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Zulieferern im Ausland, insbesondere in China. Von heute auf morgen hat die Globalisierung ihre Kehrseite gezeigt.

>> Zur GEM-Infografik Kundenverteilung, 2019
>> Grafik: TEA Quote nach Exportanteil am Umsatz 2019
>> Grafik: Kundenverteilung TEA Gründungen 2019

Der GEM-Länderbericht Deutschland 2019/20 steht unter http://rkw.link/gem2020 zum Download oder zur kostenfreien Bestellung als Printexemplar zur Verfügung. Sämtliche GEM-Länderberichte Deutschland seit 1999 stehen unter www.wigeo.uni-hannover.de/gem.html als Download zur Verfügung. Die Zahlen basieren auf Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage, an der mehr als 150.000 Personen teilgenommen haben.

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