KfW-Gründungsmonitor 2020

Der KfW-Gründungsmonitor 2020 zeigt erstmals seit 5 Jahren wieder eine positive Gründungstätigkeit in Deutschland. Dennoch ist dies kein Grund zur Begeisterung, da in erster Linie die steigende Zahl der Gründungen im Nebenerwerb hierfür ursächlich ist. Insgesamt ist die Zahl der Existenzgründungen in 2019 um 58.000 auf 605.000 gestiegen. Eine Prognose für die weitere Entwicklung in Deutschland ist angesichts der globalen Coronakrise schwer möglich, aber höchstwahrscheinlich wird der fast vergessene Begriff „Notgründung“ wieder vermehrt in Erscheinung treten. 

Inhalt:

  1. KfW-Gründungsmonitor
  2. Existenzgründung im Nebenerwerb
  3. Mehr Männer, weniger Frauen
  4. Innovative Startups
  5. Berlin und Brandenburg an der Spitze
  6. Trendänderungen angesichts Coronakrise

KfW-Gründungsmonitor

Der Gründungsmonitor der KfW-Bankengruppe ist eine repräsentative Bevölkerungsbefragung zum Gründungsgeschehen in Deutschland, die seit dem Jahr 2000 jährlich durchgeführt wird. Er basiert auf Angaben von 50.000 zufällig ausgewählten, in Deutschland ansässigen Personen. Gründer werden dabei breit erfasst: Ob im Voll- oder Nebenerwerb, ob Gewerbetreibender oder Freiberufler, ob Neugründung oder Übernahme. Der KfW-Gründungsmonitor liefert damit ein umfassendes Bild der Gründungstätigkeit in Deutschland.

Positiver Trend dank Existenzgründern im Nebenerwerb

Für die steigende Zahl der Unternehmensgründungen in 2019 ist ein deutliches Plus bei Gründungen im Nebenerwerb ursächlich. Sie legten um 85.000 auf 377.000 zu. Existenzgründungen im Vollerwerb setzten dagegen den langjährigen negativen Trend fort und und markierten einen neuen Tiefpunkt von 228.000 (-27.000).

Mehr Männer, weniger Frauen

Nach vier Jahren mit einer sinkenden Zahl von Existenzgründungen durch Männer ging es hier 2019 mit 390.000 (+59.000) wieder aufwärts. Die Zahl der Gründerinnen stagnierte dagegen und blieb mit 215.000 (-1.000) auf Vorjahresniveau. Der Anteil von Frauen als Existenzgründerinnen ging somit auf 36 % zurück (2018: 40 %).

Innovative Startups in Deutschland weiterhin im Trend

Blickt man tiefer in die Struktur der Existenzgründer, so zeigen sich positive Trends:

Innovative Gründungen und Wachstumsgründungen legten geringfügig zu (von 11 % auf 13 % aller Gründungen und von 24 % auf 25 %). Eine deutliche Zunahme gab es bei internetbasierten und digitalen Gründungen (von 25 % auf 32 % und von 22 % auf 28 %).

KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib kommentiert das so:

„Der Trend zu innovativen, digitalen und internetbasierten Gründungen ist positiv, denn sie kreieren neue Märkte, treiben den strukturellen Wandel voran und stärken die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft“.

Weiterhin dominierend bleiben also Geschäftsmodelle zur Aufbereitung großer Datenmengen (Big Data) und internetbasierte Plattformen, auf denen sich Angebot und Nachfrage zusammenführen lassen. Online-Shops  und E-Commerce bleiben ebenfalls im Trend.

Berlin und Brandenburg an der Spitze

In der Rangliste der Gründungstätigkeit nach Bundesländern bleibt Berlin souverän an der Spitze. In den Jahren 2017 bis 2019 haben dort im Durchschnitt 198 Personen von 10.000 Erwerbsfähigen jährlich eine selbstständige Tätigkeit begonnen. Überraschend ist der Wechsel dahinter, da Brandenburg mit Hamburg den Platz tauschte und erstmals an zweiter Stelle liegt (155 Existenzgründungen pro 10.000 Erwerbsfähigen). Es ist zu vermuten, dass die überdurchschnittliche Gründungstätigkeit in Berlin in die Peripherie ausstrahlt und hier Kostenvorteile genutzt werden. Davon profitiert Brandenburg direkt. Hamburg kann mit 122 Gründungen je 10.000 Erwerbsfähige knapp Platz 3 vor Bayern mit 121 Gründungen behaupten.

Trendänderungen angesichts Coronakrise

KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib hält infolge der Coronakrise in Deutschland zwei starke Trends für wahrscheinlich. Auf der einen Seite werden Existenzgründer die Realisierung ihrer Geschäftsidee verschieben, auf der anderen Seite werden Notgründungen wieder zunehmen.

„Der Ausblick für das Gründungsjahr 2020 war positiv, doch die Corona-Pandemie belastet. Ich erwarte, dass potentielle Existenzgründer ihre Pläne unter dem Eindruck der aktuellen Lage vieler selbstständiger Unternehmer und Freiberufler teilweise verschieben. Die Krise wird jedoch auch einen antreibenden Effekt haben. Eine krisenbedingt zunehmende Erwerbslosigkeit dürfte die Zahl sog. Notgründungen steigen lassen. Wir werden in Deutschland also wieder vermehrt Existenzgründungen sehen, die nur mangels besserer Erwerbsalternativen erfolgen. Welcher Effekt letztlich überwiegen wird, bleibt abzuwarten.“

Der KfW-Gründungsmonitor ist abrufbar unter www.kfw.de/gruendungsmonitor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.