Bedeutung der Privatinvestoren für Existenzgründer

Die Bedeutung der Privatinvestoren für Existenzgründer und Startups hat in den vergangenen 10 Jahren deutlich zugenommen. Hightech-Startups profitieren davon mehr, andere eher nicht. Die Finanzierungsvolumen sind deutlich gestiegen, aber Venture Capital bleibt in Deutschland sehr exklusiv.

Inhalt:

  1. Hightech-Unternehmen vs. Non-Hightech
  2. Freundes- und Familienkreis
  3. Finanzierung meist durch einen Privatinvestor alleine
  4. Finanzierungsvolumen werden größer
  5. Venture Capital bleibt exklusiv in Deutschland
  6. Wie man zu Privatinvestoren in Kontakt kommt
  7. Erfolgsquoten und Gründe

1. Hightech-Unternehmen vs. Non-Hightech

In den vergangenen 10 Jahren ist der Anteil junger Unternehmen mit Privatinvestoren insgesamt leicht von 7,0% (39.510 Unternehmen) auf 7,5% (38.410 Unternehmen) gestiegen. Es gibt jedoch eindeutige Gewinner und Verlierer in dieser Entwicklung. Im Hightech-Sektor haben sich Anzahl und Anteil junger Unternehmen mit Privatinvestoren fast verdoppelt. In den Jahren 2009‐2012 wurden die Hightech‐Branchen mit gut 7% (3.340 Unternehmen) durch Privatinvestoren finanziert. In den Jahren 2015‐2018 lag der Anteil schon bei 13% (5.120 Unternehmen). Bei den Unternehmen aus anderen Branchen stagnierten die Zahlen dagegen bei rund 7%. Privatinvestoren achten sehr genau auf das Geschäftsidee und die damit verbundenen Wachstumsaussichten.

2. Privatinvestoren stammen eher aus Freundes- und Familienkreis

Privatinvestoren stammen zum großen Teil aus dem Freundes- und Familienkreis der Existenzgründer und jungen Unternehmen. Die Finanzierung der Existenzgründung erfolgt vorwiegend in Form von Darlehen. Junge Unternehmen außerhalb des Hightech-Sektors generieren Privatinvestitionen zu gut 60% aus dem Freundes- und Familienkreis. Bei den Hightech-Unternehmen ist der Anteil der Privatinvestoren aus dem Familien- und Freundeskreis mit gut 30% deutlich geringer. Mit anderen Worten haben junge Hightech-Startups eher die Chance auf eine Finanzierung durch professionelle Privatinvestoren, die sich hierfür eine direkte oder stille Beteiligung am Unternehmen erwarten. Bei den Hightech-Startups rückt die Finanzierung durch klassische Bankdarlehen oder öffentliche Fördermittel in den Hintergrund.

3. Privatinvestoren kommen meist alleine

Fast zwei Drittel der jungen Unternehmen mit Privatinvestoren werden durch einen Privatinvestor alleine finanziert. Nur ein ganz geringer Anteil der jungen Unternehmen (1/10) werden durch eine professionelle Beteiligungsgesellschaft finanziert.

4. Finanzierungsvolumen werden größer

Die Finanzierungsvolumen der Privatinvestoren pro Unternehmen liegen durchschnittlich bei knapp 300.000 Euro. Insgesamt haben Privatinvestoren in den Jahren 2015 bis 2018 rund 2.780.000 Euro zur Verfügung gestellt. Ein professioneller Business Angel finanzierte in diesem Zeitraum zwischen 1,5 Mio und 2,9 Mio Euro. Bei anderen professionellen Privatinvestoren (ohne Freundes- und Familienkreis) liegt das Volumen zwischen 700.000 Euro und 1,1 Mio. Euro. In der Summe sind Privatinvestoren durchschnittlich mit einem Rahmen zwischen 2,2 Mio. und 4,0 Mio. Euro in eines oder mehrere junge Unternehmen investiert. Das durchschnittliche Finanzierungsvolumen eines professionellen Business Angels liegt bei ca. 480.000 Euro pro Unternehmen. Bei einem professionellen Privatinvestor beträgt das Finanzierungsvolumen pro Unternehmen bei ca. 170.000 Euro. Bei Privatinvestoren aus dem Freundes- und Familienkreis lagen die Volumen in den Jahren 2015 bis 2018 zwischen 16.000 Euro und 26.000 Euro pro Unternehmen.

5. Venture Capital bleibt exklusiv in Deutschland

Der Anteil junger Unternehmen mit einer Finanzierung durch Venture Capital ist in Deutschland sehr gering und erreichte in den Jahren 2015 bis 2018 nicht einmal 1%. Im Hightech-Bereich liegt der Anteil mit knapp 4% etwas besser. Ohne eine Geschäftsidee mit überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten ist ein Zugang zum Venture Capital Markt so gut wie ausgeschlossen.

6. Wie man zu Privatinvestoren in Kontakt kommt

Soweit die Investoren aus dem Freundes- und Familienkreis kommen, erfolgt die Kontaktaufnahme über diese Beziehungen. Letztere sind auch immens wichtig, um mit professionellen Investoren und Business Angels ins Geschäft zu kommen. Ohne Vitamin B wird die Kontaktaufnahme zu diesen Investoren sehr schwierig, da 80% der Geschäfte nur über bereits bestehende Kontakte im Freundes- und Familienkreis vermittelt werden.

Für Startups und junge Hightech-Unternehmen besteht darüber hinaus die Chance, Kontakte zu professionellen Privatinvestoren über folgende Kanäle zu gewinnen (in dieser Reihenfolge):

  • Förderprogramme für Startups (Elevator Pitches, Inkubator- oder Accelerator-Programme);
  • Gründermessen und Konferenzen;
  • Businessplan- und Gründerwettbewerbe;
  • Business Angel Netzwerke;
  • Vermittlung durch Förderberater bei IHK und HWK.

Existenzgründer und Startups müssen sich diesbezüglich bewusst machen, dass die Finanzierungsvolumen professioneller Privatinvestoren deutlich höher liegen als im Freundes- und Familienkreis. Die Mehrarbeit kann sich also lohnen, wenn die Geschäftsidee sehr gute Wachstumsmöglichkeiten verspricht.

7. Erfolgsquoten und Gründe

Die Verhandlungen junger Unternehmen mit privaten Investoren führen in weniger als 50% zum Erfolg. Zum überwiegenden Teil haben sich die Unternehmer selbt dagegen entschieden. In den meisten Fällen waren die Forderungen der interessierten Investoren zu hoch oder eine anderweitige Unterstützung zu gering. Bei einem Drittel der Unternehmen waren es persönliche Differenzen mit den Investoren oder ein zu niedriges Finanzierungsangebot. Scheiterte die Finanzierung an den Investoren, lag es hauptsächlich am Geschäftskonzept (Businessplan), an den Wachstumsaussichten oder an den Qualifikationen der Gründer.

Die Zahlen stammen aus der Studie des ZEW zur „Finanzierung von Unternehmensgründungen durch Privatinvestoren (03/2020). Download hier möglich: ZEW-Studie „Privatinvestoren“

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