Finanzierungsquellen zur Unternehmensgründung

Die meisten Existenzgründer nutzen mehrere Finanzierungsquellen zur Unternehmensgründung, wobei der !erforderliche Kapitaleinsatz zur Finanzierung der Existenzgründung in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist.

Inhalt:

  1. Finanzierung der Existenzgründung in Deutschland
  2. Eigenkapital vs. Fremdkapital
  3. Finanzierung mit Hilfe von Freunden und Familie
  4. Bankdarlehen
  5. Förderkredite
  6. Finanzierung von Startups
  7. Aufnahme von Investoren
  8. Zuschüsse zur Existenzgründung
  9. Crowdfunding

1. Finanzierungsquellen zur Existenzgründung

Drei Viertel aller Existenzgründer realisieren ihre Existenzgründung in Deutschland ausschließlich mit eigenen Sach- oder Finanzmitteln (Eigenkapital).

Wer zusätzlich auf externe Mittel (Fremdkapital) angewiesen ist, hat im Vergleich zum durchschnittlichen Existenzgründer meist einen deutlich höheren Finanzierungsbedarf. Für rund die Hälfte dieser Existenzgründer sind Familie und Freunde wichtige Finanzierungsquellen zur Unternehmensgründung. Aus dem näheren sozialen Umfeld wird etwa ein Viertel des Finanzierungsbedarfs gedeckt.

Banken, Sparkassen und andere Kreditinstitute finanzieren im Durchschnitt rund die Hälfte des Kapitalbedarfs für die Existenzgründung mittels Darlehen. Ein Fünftel wird über Förderkredite finanziert, die von spezialisierten Förderbanken bereitgestellt werden. Neben dem Eigenkapital gehören Bankdarlehen nach wie vor zu den wichtigsten Finanzierungsquellen. Gespräche mit Banken sind daher mit einem Businessplan gut vorzubereiten.

Bei einer Ablehnung der Finanzierung muss das nicht zwingend am Existenzgründer oder an der Geschäftsidee liegen. Es ist jedoch ein Indiz, dass Geschäftsidee und Businessplan gegebenenfalls mit professioneller Hilfe überarbeitet und optimiert werden sollten, um die Chancen beim nächsten Mal zu verbessern.

2. Eigenkapital vs. Fremdkapital

Eigenkapital entsteht in der Regel durch

  • Einzahlungen durch Inhaber oder Gesellschafter bei Unternehmensgründung oder später in Form von Bareinlagen,
  • Einbringung von Sachvermögen durch den Inhaber oder die Gesellschafter,
  • Einbehaltung von Gewinnen („Selbstfinanzierung“) in Form von Rücklagen.

Zum Eigenkapital zählt vor allem

Die Entscheidung von Kreditgebern über eine Finanzierung des Unternehmens ist in der Regel auch von der Eigenkapitalquote des Unternehmens (Verhältnis Eigenkapital/Fremdkapital) abhängig. Eine hohe Eigenkapitalquote verbessert das Kreditrating und verringert das Risiko einer Liquiditätskrise bei Abweichungen vom Businessplan oder anderen unerwarteten Entwicklungen. Eine zu niedrige Eigenkapitalquote gehört zu den häufigsten Fehlern der Existenzgründer in Deutschland.

Fremdkapital beinhaltet die Schulden eines Unternehmens in Form von Verbindlichkeiten oder Rückstellungen, insbesondere Verbindlichkeiten aus Bankdarlehen. Fremdkapitalgeber sind Gläubiger und grundsätzlich am Unternehmen und dem Gewinn hieraus nicht beteiligt. Sie haben stattdessen einen schuldrechtlichen Anspruch auf eine Verzinsung und Rückzahlung der Verbindlichkeiten (Tilgung).

3. Finanzierung mit Hilfe von Freunden und Familie

Freunde und Familie spielen eine wichtige Rolle bei der Finanzierung einer Existenzgründung. Die finanziellen Mittel zur Unternehmensgründung stammen zum großen Teil aus dem Freundes- und Familienkreis der Existenzgründer und werden meist als Darlehen zur Verfügung gestellt. Rund 60% der jungen Unternehmen außerhalb des Hightech-Sektors decken ihren Finanzierungsbedarf ganz oder teilweise aus dem Freundes- und Familienkreis. Bei Unternehmen im Hightech-Sektor ist der Anteil der Privatinvestoren aus dem Familien- und Freundeskreis mit gut 30% deutlich geringer. Hier spielt die Finanzierung durch professionelle Privatinvestoren gegen direkte oder stille Beteiligung am Unternehmen eine größere Rolle.

4. Bankdarlehen

Die Ausgabe von Darlehen an Unternehmen ist das wichtigste Kreditgeschäft der Banken und Sparkassen. Bei Existenzgründern und jungen Unternehmen sind die klassischen Kreditinstitute jedoch etwas zurückhaltender mit der Finanzierung. In den meisten Fällen fehlt es an ausreichenden Sicherheiten und/oder an der zuverlässigen Einschätzung der Geschäftsidee, insbesondere bei Startups mit hohem Finanzierungsbedarf. Die Auswahl der Hausbank sollte daher auch unter dem Gesichtspunkt eines späteren Finanzierungsbedarfs erfolgen.

Die vertragliche Grundlage eines Bankdarlehens ist der Darlehensvertrag, in dem sich die Bank gem. § 488 Abs. 1 BGB verpflichtet, dem Existenzgründer oder der Gesellschaft einen Geldbetrag in der vereinbarten Höhe zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug verpflichtet sich die Darlehensnehmer, das zur Verfügung gestellte Darlehen neben einem vereinbarten Darlehenszins bei Fälligkeit oder in bestimmten Raten zurückzuzahlen.

In der Praxis unterscheidet man je nach Laufzeit, Fälligkeit, Verzinsung oder Sicherheiten unterschiedliche Darlehensarten:

  • Kontokorrentkredit, Investitionskredit;
  • Annuitäten-, Tilgungs- oder Fälligkeitsdarlehen;
  • entgeltliche, unentgeltliche oder partiarische Darlehen,
  • Hypothekendarlehen.

In der Regel erfolgt die Ausgabe eines Darlehens an Existenzgründer und junge Unternehmen nur gegen eine entsprechende Sicherheit. In der Praxis sind folgende Sicherheiten gebräuchlich:

  • Bürgschaft eines Dritten oder des Geschäftsführers einer GmbH,
  • Hypothek oder Grundschuld auf eine Immobilie,
  • Pfandrecht an einem Kontoguthaben oder
  • Abtretung einer Forderung.

Bei der Finanzierung einer Existenzgründung ist darauf zu achten, die Laufzeit des Darlehens möglichst lange zu strecken, um die Liquidität in der Anfangsphase des Unternehmens sicher zu stellen. Auf der anderen Seite ist zu berücksichtigen, dass eine lange Laufzeit die Finanzierungskosten insgesamt erhöht, da über eine längere Laufzeit Zinsen zu zahlen sind. Umso wichtiger ist ein gutes Rating des Darlehensnehmers, also die Einschätzung der wirtschaftlichen Fähigkeit, den zukünftigen Zins- und Tilungsleistungen termingerecht nachzukommen.

5. Förderkredite

Der Bund und die Länder sind in Deutschland sehr aktiv, um eine Existenzgründung junger Menschen mit Förderprogrammen und -krediten zu unterstützen. Förderkredite sind sehr begehrt und empfehlenswert, da sie neben einer langen Laufzeit und günstigen Zinssätzen häufig eine tilgungsfreie Anlaufphase bieten.

Die KfW hat mehrere unterschiedliche Förderkredite für Existenzgründer und KMU (kleine und mittlere Unternehmen) im Angebot. Man kann die Förderkredite in die Säulen

  • Fremdkapital,
  • mezzanines Kapital und
  • Eigenkapital

gliedern.

Die KfW verwaltet auch das ERP-Sondervermögen des Bundes aus dem European Recovery Program (ERP), das auf der Grundlage des Marshallplans bereitgestellt wurde. Einige ERP-Förderkredite richten sich an Existenzgründer sowie junge Unternehmen und Freiberufler bis zu 5 Jahre nach Geschäftsbeginn.

Bei den ERP-Förderkrediten handelt es sich teilweise um sog. Nachrangdarlehen, bei denen die KfW im Rang hinter die Forderungen aller übrigen Fremdkapitalgeber zurücktritt. Dadurch erhalten die ERP-Förderkredite eine eigenkapitalnahe Funktion. Abgesehen von der persönlichen Haftung der Darlehensnehmer sind in der Regel keine Sicherheiten erforderlich. Die Zinssätze orientieren sich am Rating der Darlehensnehmer.

Zu den geförderten Zwecken gehören gewerbliche Investitionen in Immobilien, Maschinen und Fahrzeuge. Ferner wird die Verbesserung der Liquidität und die Finanzierung von Betriebsmitteln sowie die Aufstockung des Eigenkapitals finanziert. Innovative Existenzgründer und junge Unternehmen erhalten auch Mittel zur Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen.

6. Finanzierung von Startups

Startups nehmen in Deutschland zunehmend eine positive Sonderrolle ein. Es handelt sich um junge, gewerblich orientierte Unternehmen, die einzeln, im Team oder mit angestellten Mitarbeitern Geschäftsideen mit großem Wachstumspotential realisieren oder neue Technologien entwickeln. Im Vergleich zu anderen Existenzgründern haben sie meist einen deutlich höheren Finanzierungsbedarf, der nur durch Aufnahme von Fremdkapital gedeckt werden kann.

Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Robotik und Biotechnologie sind die aktuellen Trends, in denen sich die Stars von morgen bewegen. Dominierend sind Geschäftsmodelle zur Aufbereitung großer Datenmengen (Big Data) und internetbasierte Plattformen, auf denen sich Angebot und Nachfrage zusammenführen lässt. Ein weiterer starker Trend sind Online-Shops (E-Commerce). Startups in diesen Bereichen haben eine gute Chance, ihren Finanzierungsbedarf auch über die Aufnahme von Privatinvestoren zu decken.

ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit

Der ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit ist geeignet zur Finanzierung von Investitionen und Betriebsmittel in den Bereichen Innovation und Digitalisierung.

ERP-Mezzanine für Innovation

Mit dem ERP-Mezzanine für Innovation fördert die KfW private Unternehmen und Freiberufler (seit mindestens 2 Jahren geschäftstätig) bei Vorhaben, die sich vom Stand der Technik in der EU abheben und solche, die neu sind für das Unternehmen.

EXIST-Programm des BMWi

Das BMWi unterstützt Startups aus der Wissenschaft mit dem EXIST-Sonderprogramm. Zu unterscheiden ist zwischen

  • dem EXIST-Gründerstipendium und
  • dem EXIST-Forschungstransfer.

Privatinvestoren und Wagniskapital

Neben den einschlägigen Förderprogrammen spielt auch der Zugang zu professionellen Privatinvestoren eine große Rolle für Startups.

7. Aufnahme von Investoren

Bei Startups im Hightech-Sektor hat sich die Finanzierung durch die Aufnahme von Investoren fest etabliert. In den Jahren 2015 bis 2018 hat sich der Anteil junger Unternehmen mit Privatinvestoren gegenüber 2009 bis 2012 schon fast verdoppelt. Ohne Vitamin B ist der Kontakt zu privaten Investoren, Business-Angels und Risikokapital jedoch immer noch schwierig. In den meisten Fällen öffnen nur Kontakte über Freunde und Familie wichtige Türen.

Darüber hinaus haben Startups und junge Hightech-Unternehmen die Chance, über folgende Kanäle die notwendige Aufmerksamkeit bei Investoren, Business-Angels und Beteiligungsgesellschaften zu erzeugen (in dieser Reihenfolge):

  • Förderprogramme für Startups (Elevator Pitches, Inkubator- oder Accelerator-Programme);
  • Gründermessen und Konferenzen;
  • Businessplan- und Gründerwettbewerbe;
  • Business Angel Netzwerke;
  • Vermittlung durch Förderberater bei IHK und HWK.

Existenzgründer sollten sich darüber im klaren sein, dass professionelle Investoren und insbesondere Beteiligungsgesellschaften regelmäßig nur an Geschäftsmodellen mit weit überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten interessiert sind. Und auch hier führen die Verhandlungen in weniger als 50% zum Erfolg.

Aufnahme von Investoren in GmbH

Bei der GmbH läuft die Aufnahme von Investoren (Finanzierungsrunden) üblicherweise in zwei Schritten ab. Im ersten Schritt erfolgt zunächst die Erhöhung des Stammkapitals der GmbH. Die neu ausgegebenen Geschäftsanteile werden von den Investoren im Austausch mit der entsprechenden Gegenleistung übernommen. In den meisten Fällen erfolgt diese in Form einer Bareinzahlung auf das Geschäftskonto der GmbH.

Im zweiten Schritt geht es um das eigentliche Investment. Im Rahmen einer Gesellschaftervereinbarung verpflichten sich die Investoren gegenüber der GmbH und den anderen Gesellschafter zur Einzahlung eines Aufgelds für die Übernahme der neuen Geschäftsanteile (Agio) auf das Geschäftskonto der GmbH. Je nach Gestaltung ist diese als freiwillige Zuzahlung in die Kapitalrücklage der Gesellschaft oder als Mezzanine- bzw. Wandeldarlehen zu behandeln und zu buchen.

8. Zuschüsse zur Existenzgründung

Vor der Existenzgründung ist an den Zuschuss zu den Beratungskosten für eine professionelle Gründungs- bzw. Unternehmensberatung zu denken. Erfolgt die Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit, wie diese mittels Gründungszuschuss oder Einstiegsgeld gefördert.

Darüber hinaus kann man bei den Förderbanken der Bundesländer einen Zuschuss zur Existenzgründung beantragen, wenn man die jeweiligen Voraussetzungen erfüllen kann.

9. Crowdfunding

In den vergangenen Jahren haben immer mehr Existenzgründer und expandierende junge Unternehmen das Crowdfunding entdeckt. Dank der zunehmenden Anzahl an Crowdfunding-Plattformen im Internet hat sich hieraus eine interessante Alternative zur Finanzierung der Unternehmensgründung oder des Wachstums entwickelt.

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