Die Einnahmenüberschußrechnung

Einnahmen und AusgabenDie Einnahmenüberschußrechnung (EÜR) ist die einfachste Form der jährlichen Gewinnermittlung und steht insbesondere Freiberuflern und kleinen Unternehmen zur Verfügung. Grundsätzlich muß die jährliche Gewinnermittlung eines Unternehmens durch einen Vermögensvergleich erfolgen, bestehend aus einer Bilanz und einer GuV zum Schluss des Wirtschaftsjahres. Abhängig von der Rechtsform bzw. von der Höhe des Gewinns und/oder des Umsatzes gibt es jedoch Erleichterungen bei der Gewinnermittlung, darunter eben auch die vereinfachte Einnahmen-Überschußrechnung (EÜR), die insbesondere freiberuflichen Selbständigen und kleinen Unternehmen offen steht, deren Gewinn und/oder Umsatz gewisse in § 141 AO genannte Größen nicht überschreitet. Beide Methoden sind grundsätzlich gleichwertig und haben die Aufgabe, das wirtschaftliche Ergebnis eines Unternehmens für ein Wirtschaftsjahr zu ermitteln. Eine weitere Methode ist die Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen.

Gewinnermittlung durch Einnahmenüberschußrechnung (EÜR)

Grundsätzlich ist jeder Kaufmann verpflichtet, auf Grundlage einer doppelten Buchführung zum Ende des Geschäftsjahres einen Vermögensvergleich gem. §§ 4 Abs. 1, 5 EStG zu erstellen. Im Umkehrschluß sind also zunächst alle – nicht gewerblich tätigen – Freiberufler, Künstler und ähnliche Selbständige berechtigt, den Gewinn eines Geschäftsjahres gem. § 4 Abs. 3 EStG mittels einer vereinfachten Einnahmen- Überschußrechnung zu ermitteln. Dies ist einer der Gründe, warum die Abgrenzung zwischen Gewerbebetrieb und Freiberufler so wichtig ist.

Daneben sind auch gewisse gewerbliche Unternehmer berechtigt, die Gewinnermittlung durch Einnahmen-Überschußrechnung gem. § 4 Abs. 3 EStG durchzuführen, wenn bestimmte in § 141 AO definierte Grenzen beim Gewinn und Umsatz nicht überschritten werden. Da diese von Zeit zu Zeit angepasst werden, sollte man hier immer mal einen Blick hineinwerfen.

Vorteile der Einnahmenüberschußrechnung (EÜR)

Der wesentliche Vorteil der vereinfachten Gewinnermittlung gem. § 4 Abs. 3 EStG besteht darin, dass nur die tatsächlichen Betriebseinnahmen und die tatsächlichen Betriebsausgaben im Wirtschaftsjahr gegenübergestellt werden. Dadurch entfällt die Verpflichtung zur

  • Aufstellung einer Eröffnungsbilanz,
  • Doppelten Buchführung,
  • Erstellung einer Schlußbilanz mit GuV und Inventur.

Aufbau der Einnahmenüberschußrechnung (EÜR)

Der Aufbau der Einnahmen- Überschußrechnung gem § 4 Abs. 3 EStG kann in die drei großen Bereiche

  • Betriebseinnahmen,
  • Betriebsausgaben und
  • Gewinn bzw. Verlust

gegliedert werden. Es gilt grundsätzlich das Zufluß- und Abflußprinzip, d.h. es sind nur die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben im Wirtschaftsjahr zu erfassen. Ausnahmen gelten nur für solche Einnahmen und Ausgaben, die unter die sog. 10- Tage-Regelung fallen, also Zahlungen,  die zwischen dem 22.12. und dem 10.1 des Folgejahres erfolgen und regelmäßig wiederkehren. Regelmäßige Einnahmen und regelmäßige Ausgaben innerhalb dieses Zeitraums müssen dem Wirtschaftsjahr zugeordnet werden, zu dem sie wirtschaftlich gehören. Dies betrifft z.B. Mieten, Gehälter oder Strom.

Eine besondere Form der Betriebseinnahmen ist die Entnahme von Waren bzw. Anlagegütern, die mit dem Teilwert angesetzt werden müssen. Das Gleiche gilt für die private Nutzung betrieblicher Anlagegüter, insbesondere die private Nutzung eines Kfz (Kfz-Nutzung) oder Telefons. Die Entnahme von Geld wirkt sich dagegen nicht auf den Gewinn aus.

Die Betriebsausgaben lassen sich nochmals unterteilen in

  • Abschreibungen für abnutzbare Anlagegüter,
  • sofort abzugsfähige Betriebsausgaben und
  • beschränkt abziehbare Betriebsausgaben.

Zur Vollständigkeit sind noch die Anschaffungs- und Herstellungskosten nicht abnutzbarer Wirtschaftsgüter zu nennen, die erst im Jahr der Veräußerung bzw. Entnahme aus dem Betriebsvermögen zu Betriebsausgaben werden.

Eine besondere Rolle spielt die Umsatzsteuer in der Einnahmen-Überschußrechnung, die bei Vereinnahmung der Umsatzsteuer zu den Betriebseinnahmen gehört, bei gezahlter Umsatzsteuer zu den Betriebsausgaben. Das gleiche gilt für die Umsatzsteuerzahlungen an das Finanzamt (= Betriebsausgaben) bzw. Umsatzsteuererstattungen vom Finanzamt (= Betriebseinnahmen).

Gewinnermittlung in der Praxis

In der Praxis werden die Ein- und Ausgangsrechnungen des Geschäftsjahres getrennt nach Sachgruppen – idealerweise in Abstimmung zur Anlage EÜR – gesammelt und die Beträge zum Ende des Wirtschaftsjahres addiert. Die entsprechenden Summen werden in die dafür vorgesehenen Felder der Anlage EÜR eingetragen. Die beschränkt abzugsfähigen Betriebsausgaben, insbesondere Bewirtungskosten, Aufwendungen für Geschenke und das häusliche Arbeitszimmer – müssen zeitnah und gesondert aufgezeichnet werden. Natürlich lässt sich die Buchhaltung und die Einnahmen-Überschußrechnung heutzutage auch mit der entsprechenden Software einfach erledigen.

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