Verträge unter Angehörigen (mit Muster)

Familien und AngehörigeVerträge unter Angehörigen unterliegen besonderen Anforderungen, damit sie auch vor den Augen des Finanzamts steuerlich anerkannt werden und die entsprechenden Zahlungen an Angehörige zu steuerlich abzugsfähigen Betriebsausgaben führen. Das gilt sowohl für Zinsen auf Darlehen unter Verwandten als auch für die Vermietung von Immobilien unter Angehörigen. Die Basis ist in jedem Falle ein schriftlicher Vertrag, in dem die wesentlichen Bestimmungen der Vereinbarung schriftlich festgehalten sind und auch in der Praxis tatsächlich durchgeführt werden.

Besondere Anforderungen an Verträge unter Angehörigen

Verträge unter Angehörigen unterliegen einer verstärkten Kontrolle durch das Finanzamt und werden steuerrechtlich nur dann anerkannt, wenn sie einem sog. Fremdvergleich standhalten. Hierbei prüft das Finanzamt im Einzelfall, ob ein entsprechender Vertrag auch unter fremden Dritten zu den gleichen Bedingungen abgeschlossen worden wäre. Zu den Angehörigen in diesem Sinne gehören auf jeden Fall der Ehegatte und die Verwandten in gerader Linie, also insbesondere die Kinder. Das Thema „Verträge unter Angehörigen“ taucht immer dann auf, wenn es um die

  • Mitarbeit eines Ehegatten oder Kindes im Unternehmen,
  • um die Vermietung einer Immobilie an Angehörige oder
  • um ein Darlehen unter Verwandten

geht. Anhand einer Checkliste zu Verträgen unter Angehörigen* lässt sich sicherstellen, daß man keinen wichtigen Gesichtspunkt übersieht.

Arbeitsvertrag mit Ehegatten

Arbeitsverhältnisse mit Angehörigen i.S.d. § 15 AO werden in vielen Fällen begründet, um den Arbeitnehmer-Pauschbetrag oder die Möglichkeiten zur Pauschalierung der Lohnsteuer in Anspruch zu nehmen. Darüber hinaus mindern die Personalkosten den gewerbesteuerpflichtigen Gewinn eines Unternehmens. Ob das Finanzamt das Arbeitsverhältnis jedoch steuerrechtlich anerkennt, sprich den gezahlten Lohn oder das Gehalt an einen Ehegatten als Betriebsausgaben berücksichtigt, ist davon abhängig, ob die Mitarbeit im Betrieb oder im Büro auf Grund familienrechtlicher Verpflichtung (gem. §§ 1353, 1360 BGB) erfolgt oder auf Basis eines besonderen Arbeitsvertrages. Ist die Zuordnung zu der einen oder anderen Form mangels Abschluss und tatsächlichem Vollzug eines Arbeitsvertrages schwierig, müssen die Umstände des Einzelfalles ermittelt und ausgelegt werden. Um hier Zweifel zu vermeiden, ist ein schriftlicher Arbeitsvertrag (Muster für einen Arbeitsvertrag unter Ehegatten*) und die tatsächliche Zahlung des vereinbarten Lohns oder Gehalts unbedingt empfehlenswert.

Dessen ungeachtet sind Verträge unter Angehörigen nach ständiger Rechtsprechung steuerlich nur dann anzuerkennen, wenn

  • sie nach bürgerlichem Recht wirksam vereinbart sind,
  • sowohl die Gestaltung als auch die tatsächliche Durchführung einem Fremdvergleich standhält, also dem zwischen fremden Dritten Üblichen entspricht und
  • das Arbeitsverhältnis nicht einen Mißbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten nach § 42 AO darstellt.

Diese Anforderungen zur steuerrechtlichen Anerkennung von Arbeitsverhältnissen zwischen Angehörigen basieren auf der Überzeugung, dass es in der Regel an einem sonst üblichen Interessengegensatz mangelt und somit an den Beweis zur Begründung und die Ernsthaftigkeit strenge Anforderungen zu stellen sind.

Vermietung von Immobilien unter Angehörigen

Die verbilligte Vermietung von Immobilien an Angehörige ist nach wie vor ein beliebtes Steuersparmodell, das sich auch in Kombination mit einem Unternehmen einsetzen lässt. Das Finanzamt erkennt dieses Steuersparmodell (Abschreibung, Darlehenszinsen, Reparaturen) jedoch nur noch dann vorbehaltlos an, wenn beim Vermieter die Absicht erkennbar ist, daß auf lange Sicht ein Überschuß der Einnahmen über die Ausgaben erzielt wird (= Gewinnerzielungsabsicht). Im übrigen gilt wie beim Arbeitsverhältnis zwischen Angehörigen der Grundsatz, daß der Mietvertrag einem sog. Fremdvergleich standhalten muß, d.h. ein bürgerlich-rechtlich wirksamer Abschluß, ernsthafte Vereinbarungen und entsprechende tatsächliche Durchführung. Zur Dokumentation und Beweisführung ist ein schriftlicher Mietvertrag dringend zu empfehlen (Muster Gewerbemietvertrag*). Handelt es sich um eine verbilligte Vermietung einer Immobilie unter dem ortsüblichen Marktniveau, erkennt das Finanzamt die Werbungskosten des Vermieters nur noch dann vorbehaltlos und in voller Höhe an, wenn die tatsächliche Miete mindestens 66% der ortsüblichen Miete erreicht. Liegt die tatsächliche Miete unterhalb dieser Grenze, sind die Werbungskosten generell nur noch anteilig abziehbar.

Darlehen unter Angehörigen

Auch Darlehen unter Angehörigen bieten in Verbindung mit Freibeträgen und Abgeltungssteuer ein beträchtliches Gestaltungspotential zum Steuern sparen. Im Rahmen des Fremdvergleichs prüft das Finanzamt bei Darlehensverträgen unter Angehörigen, ob diese mindestens die essentiellen Regelungen eines Darlehensvertrages enthalten, insbesondere zur

  • Laufzeit,
  • Rückzahlung,
  • Verzinsung und
  • Besicherung

des Darlehens (Muster Darlehensvertrag zu gewerblichen Zwecken*).

Muster und Vorlagen

Muster Ehegattenarbeitsvertrag (PDF, 7 Seiten, 169 KB*);
Muster Gewerbemietvertrag (PDF, 14 Seiten, 373 KB*);
Muster Darlehensvertrag zu gewerblichen Zwecken (PDF, 5 Seiten, 128 KB*);
Vorlagen-Paket zum Thema Darlehen (ZIP-Archiv, 35 Seiten, 1,38 MB*)

Bildnachweis: © scusi – Fotolia.com

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